Die Regionalsprache Deutschlothringens besteht aus der Gesamtheit der im frz. Département Moselle gesprochenen fränkischen und alemannischen Dialekte und dem Standarddeutschen, der traditionnellen Schriftform der Regionalsprache, außer dem luxemburgischen Fränkischen, dessen Schriftform das Standardluxemburgisch ist, die Nationalsprache des Grossherzogtums.
Artikel 1 der vom Europarat verabschiedeten Europäischen Charta der regionalen oder Minderheitensprachen, die von Frankreich zwar unterschrieben aber nicht ratifiziert worden ist, lautet wie folgt:
„ Im Sinne dieser Charta:
a. bezeichnet der Ausdruck "Regional- oder Minderheitensprachen" Sprachen,
i. die herkömmlicherweise in einem bestimmten Gebiet eines Staates von Angehörigen dieses Staates gebraucht werden, die eine Gruppe bilden, deren Zahl kleiner ist als die der übrigen Bevölkerung des Staates, und
ii. die sich von der (den) Amtssprache(n) dieses Staates unterscheiden;
iii. er umfaßt weder Dialekte der Amtssprache(n) des Staates noch die Sprachen von Zuwanderern; […]“
Dialekte sind nicht kodifizierte, rein gesprochene Idiome. Das Standardidiom, geschrieben und kodifiziert, das unsere Dialekte umfasst, ist das Standartddeutsch. Unsere Dialekte sind weder eine Deformation des Deutschen aus der Zeit der deutschen Annektion von 1871, noch eine Mischung aus Deutsch und Französisch. Die deutsch-lothringischen Mundarten gingen der Verbreitung des Standarddeutschen voraus. Die deutsche Hochsprache hat sich nach und nach seit dem 14. Jahrhundert entwickelt, aber vor allem seit dem 16. Jahrhundert dank der Ausbreitung der deutschen Bibelübersetzung Martin Luthers verbreitet, die durch den von Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg gegen 1440 in Straßburg erfundenen Buchdruck ermöglicht wurde.
Standardsprache und Dialekt haben unterschiedliche Funktionen. Unter den beiden gibt es keine Hierarchie. Die Standardsprache ist vor allem ein geschriebenes Kommunikationsmittel sowohl Lothringens eigen als auch dem ganzen deutschen Sprachraum gemein, wohingegen der Dialekt eine unserer Region eigene Funktion des Ausdrucks der Identität hat.
Die Zugehörigkeit der lothringischen Dialekte zum deutschen Sprachraum bedeutet offensichtlich nicht, dass sie nicht Besonderheiten aufweisen und insbesondere – wie die Dialekte des Saarlandes, der Pfalz, Badens und der Schweiz – Interferenzen mit dem Französischen, aber diese beeinflussen weder die historische Abstammung, noch ihre Struktur.
Wir bezeichnen unsere Dialekte als (Lothringer-)Platt, (Lothringer)déitsch / (Lothringer)ditsch / (Lothringer)däitsch, Plattdéitsch oder ganz einfach Platt im Gegensatz zur deutschen Normsprache, die Hochdéitsch/Hochditsch/Hochdäitsch genannt wird. Die Standardform „Hochdeutsch“ wird in Deutschland zur Bezeichnung der Normsprache verwendet, aber die Linguisten verstehen darunter ausschließlich die Gesamtheit der mittel und oberdeutschen Dialekte, und zwar in Abgrenzung vom Niederdeutschen des Nordens. Zur Vermeidung von Missverständnissen bezeichnen wir daher die deutsche Normsprache hier als Standarddeutsch.
Wenn die Verwandtschaft des Lothringer Platt mit dem Deutschen im öffentlichen Bewusstsein nicht mehr deutlich wahrgenommen wird, so erklärt sich das mit dem Trauma der Annexion und des Naziterrors sowie der Verbannung des Deutschen von den Grundschulen in den Nachkriegsjahren. Ohne das erlittene Trauma zu verdrängen, ist es in der heutigen Zeit geboten, zu einer objektiveren und gelasseneren Sicht unserer Regionalsprache zurückzufinden und sich daran zu erinnern, dass das Standarddeutsche seit dem 16. Jahrhundert die Schriftform unserer Sprache, die Sprache der Kirchen, der Schule und der notariellen Urkunden ist und dass die Eigennamen, die Namen der Städte und Dörfer und die Straßennamen vor der Revolution von 1789 – lange vor der Annexion von 1871 – in Dokumenten auf Standarddeutsch und nicht im Dialekt geschrieben waren.
Das Deutsche ist also ebenso wie unsere Dialekte sehr wohl ein vollwertiger Bestandteil unserer Regionalsprache. Es ist zugleich ein wesentlicher Bestandteil unserer Regionalsprache, die „Sprache des Nachbarn“ (deutsch) und die Sprache von rund 100 Mio. Deutschsprachigen in der Europäischen Union.
 Die deutsch-lothringischen Mundarten | Die deutsch-lothringischen Mundarten gehören überwiegend zur Dialektgruppe des Westmitteldeutschen.
Diese Mundarten wurden nur teilweisen von der zweiten Lautverschiebung betroffen (Als Zweite Lautverschiebung - auch Hochdeutsche oder Althochdeutsche Lautverschiebung genannt - wird ein regelhafter Lautwandel im Bereich des Konsonantismus verstanden, der die hochdeutschen Dialekte zwischen dem 4. und dem 8. Jahrhundert entstehen ließ, die sich dadurch von den niederdeutschen Mundarten in einem gemeinsamen Dialektkontinuum unterschieden). Die oberdeutschen Mundarten unterscheiden sich darin vom Mitteldeutschen, dass die Hochdeutsche Lautverschiebung in stärkerem Maße durchgeführt worden ist.
- Niederdeutsch: ik, maken, Dorp, op, dat, Pund, Appel.
- Mitteldeutsch: ich (oder ech), mache, Dorp/Duerf oder Dorf, dat oder das, op/of/uf, Appel, Pund.
- Oberdeutsch: ich, mache, Dorf, das, auf/uf Appfel, Pfund.
In unserer Region werden drei fränkischen mitteldeutschen Mundarten und eine alemannische oberdeutsche Mundart gesprochen, nämlich
- das luxemburgische Fränkische im sog. Dreiländereck, d.h. dem Raum Diedenhofen (Thionville) und Sierck. In diesem Gebiet sagt man ech, machen, Duerf, op, dat, Appel und Pund.
- das Moselfränkisch im Raum Busendorf (Bouzonville) und Bolchen (Boulay). In diesem Gebiert sagt man ich, mache, Dorf, dat, of, Appel und Pund.
- das Rheinfränkisch/Lothringisch im Raum Sankt Avold, Forbach, Saargemünd, Saarburg, im Bitscherland sowie im sog. krummen Elsass (Raum Drulingen/Saarunion/Lützelstein). In diesem Gebiet sagt man ich, mache, Dorf, das, uf, Appel und Pund.
- das Niederalemannisch im süd-östlichen Teil des Kreises Saarburg an der Grenze zum Elsass. In diesem Gebiet sagt man ich, mache, Dorf, das, uf, Apfel und Pfund.
Der Übergang von einer Mundart zur anderen vollzieht sich nicht abrupt, sondern sehr allmählich von einem Ort zum nächsten und die Mundarten bilden ein Dialektkontinuum. Im süd-östlichen Teil des Département Moselle (in der Nähe von Pfalzburg und Dagsburg) weisen die fränkischen Mundarten immer mehr alemannische Merkmale (http://projetbabel.org/francique/crit_ling.php3#vocalisme Vokalismus) auf je mehr sich man dem Elsass nähert. |
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|  | |  | | REGIONALSPRACHE SCHRIFTDEUTSCH ? | Ein Artikel von Universitätsprofessor a.D. Peter Gabriel zur Rolle der deutschen Standardsprache in der Geschichte Lothringens. Dieser Artikel ist 2004 im Sonderheft "Lothringen" der Zeitschrift Land un Sproch erschienen.
(PDF Dokument in deutscher Sprache mit Abbildungen verschiedener Archivdokumente) | |
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 | |  | | Anzahl der Lothringer Dialektsprecher laut Volksbefragungen und Volkszählungen
1954 364 966 1962 313 000 1999 78 000
Heutzutage wird die Anzahl der Dialektsprecher auf 44 700 geschätzt; Um 2100 dürfte der letzte Sprecher das Zeitliche segnen... Es ist höchste Zeit zu reagieren !
Sprechen Sie konzequent Dialekt mit ihnen Kindern und Enkelkindern
Sprechen Sie Dialekt in allen Situationen
Fordern Sie die Eröffnung zweisprachiger Klassen Deutsch-Französisch vom Kindergarten bis zum Baccalauréat
Unsere Sprache ist unsere Seele, unsere Sprache ist unsere Sache! |
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 | |  | | DIE DEUTSCH-LOTHRINGISCHEN MUNDARTEN |  |
- Gelbe Zone: luxemburgisch-fränkischer Raum
- Lila Zone: moselfränkischer Raum
- Blaue Zone: rheinfränkischer Raum
- Weisse Zone: niederalemanischer Raum
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 | |  | |  | Einfluss- und Übergangzonen der deutsch-lothringischen Mundarten (nach Prof. André Hudlett, Universität Mühlhausen) |
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